50 Jahre Citroen DS

Eine Reise zurück in die Zukunft

Wir schreiben das Jahr 50 nach dem erstmaligen Erscheinen der DS auf dem Pariser Automobilsalon 1955. Aus gegebenen Anlass hat man in Paris eine Jubiläumsveranstaltung vom 6. Bis 9. Oktober 2005 geplant. Kurzerhand entschließen wir uns an dieser Veranstaltung Teil zu nehmen. Ich wollte seit längeren schon mit meiner Frau Martina ein verlängertes Wochenende in Paris verbringen. Die Anmeldung erfolgt nach heutigem Standard recht kurz und schmerzlos über das Internet. Die Teilnahme wird mir mit der Startnummer 981 bestätigt. Unsere Göttin, eine D-Super anno 1973, haben wir auf diese Reise perfekt vorbereitet. Sämtliche Service- und Reparaturarbeiten werden im Vorfeld mit technischer Unterstützung von Hr. Dietmar Messerschmidt und der ortsansässigen CITROEN Vertretung Fa. Gunz in Bludenz nach bestem Wissen und Gewissen abgeschlossen.

Die Reise nach Paris und retour könnte doch am besten in einer Fahrgemeinschaft mit mehreren Fahrzeugen in einer Gruppe erfolgen; also nehme ich mit einigen DS Piloten in Österreich und der Schweiz Kontakt auf. Nach mehreren Gesprächen planen wir dann eine Reportage mit der Österreichischen Automobilzeitung AUTOREVUE mit Abfahrt in meiner derzeitigen Wahlheimat Bludenz. Besatzung und Termine werden vorab telefonisch besprochen und in Wien bei der Citroen C6 Präsentation fixiert.

Wir treffen uns am Vorabend der Abreise in Bludenz, um die genaue Route über Landesstraßen durch die Schweiz und Frankreich nach Paris zu besprechen. Hr. Martin Strubreiter von der AUTOREVUE und  Hr. Jürgen Skarwan, unser Star- Fotograf, werden die Reise in Wort und Bild festhalten.

Abfahrt ist am 5.10.05 um 9h in Bludenz. Über Feldkirch und Liechtenstein führt der Weg nach Zürich, wo wir noch die Fa. Häfliger und Kunz AG, eine erstklassige Citroen Garage in Däniken,  besuchen. Gestärkt mit Kaffee und kurzer Besichtigung einiger Göttinnen geht es am Nachmittag weiter über das Nordufer des Bieler Sees nach Neuchatel und über den La Chaux de-Fonds, eine Passtrasse auf 1.283m Seehöhe. Oben angekommen gibt es für Mensch und Göttin eine kleine Verschnaufpause, um den Sonnenuntergang mit sehr weichem Licht für Fotos einzufangen. Die nächsten 120km geht’s über malerische, leicht bucklige Landstrassen Richtung Dijon. Die vor der Abreise neu aufgezogenen Michelin XAS 180 HR fühlen sich merklich wohl auf gallischem Straßenbelag, wir auch.

              

Ein Hotel mit Restaurant, um unseren Bärenhunger auf französische Art zu stillen, war von Jürgen schnell gefunden. Menü: 4 Gänge und Rotwein aus einer nicht weiter zu empfehlender Weingegend. Vorspeise mit Champignon, über den Hauptgang einer gegrillten Forelle und einer süßen Nachspeise. Die Käseplatte schließt uns den Magen und unsere Augen.

Am nächsten Morgen geht es frisch gestärkt über kurvige Landstrassen nach Dijon und danach über die A6 nach Paris. Martin grübelt, ob er wohl noch Teile am Flohmarkt bekommen wird, das Treffen hat ja schon begonnen. Ich beruhige ihn und erhöhe trotz leichtem Nieselregen das Reisetempo auf 150km/h und die restlichen 200km nach Paris reden wir halt weniger miteinander.
Mit witterungsbedingt ausgefallenem Navigationssystem nähern wir uns Paris und erfahren, wie man in einem richtigen großen Stau auf der BOULEVARD - PERIPHERIQUE um seinen Wagen fürchten muss. „Da müß ma jetzt durch, ich helf dir schon schauen“ sagt Martin. Martina murmelt mehrmals “Ob ma des heil überstehen werden“

In den Tunnels ist es herrlich, da kannst einfach nach Herzenslust Hupen und keiner ist dir irgendwie im geringsten Böse. Was will man sonst im Stau im Tunnel tun, man hupt mit Freude heraus, schön! Nach 2h Stopp and Go und heißer Hupe, endlich am St-QUENTIN EN-YVELINES  angekommen, suchen wir bei einbrechender Dämmerung den Empfangspavillon auf, um termingerecht einzuchecken. Geschafft!! Noch schnell einige Österreicher begrüßt und ab ins Hotel Ibis in Versailles, mit Tiefgarage versteht sich. Ich denk mir, wenn’s der Göttin gut geht, geht’s auch mir gut und kann einschlafen.

Am Freitag treffen wir uns nach erholsamen Schlaf frisch gestärkt am Vormittag am Veranstaltungsgelände. Nach einer ausgiebigen Besichtigung der Fahrzeuge und des Teilemarktes  gebe ich meinem innerem Verlangen nach und belohne mich mit der Anschaffung eines originalen Sonnendaches (Riviera Sunroof). Der Teilehändler aus Holland erklärt mir, es seien Altbestände, original verpackt. Ich schlage zu.
Andreas hat auch eines gekauft und ist stolz darauf, endlich ein Dach im selben Material gefunden zu haben, das zum Vinyl-Dach seiner mintgrünen  DS 20 passt.
Dietmar ist auch gekommen; ich überrasche ihn, indem ihn meine Frau versehentlich seitlich anstoßt, er zu mir schaut , und ich, getarnt hinter meinem Fotoapparat, abdrücke. Er erzählt mir, sichtlich gezeichnet von den letzten Nächten und Tagen, im Zeitraffer, wo und was er noch alles zerlegt und repariert hat, und dass er die Nacht von Donnerstag auf Freitag von Graz nach Paris mit seiner dunkelblauen DS 23 Borg Warner und neuer DIRAVI aus dem SM durchgefahren ist.
Die Lenkung ist einfach geil, geschwindigkeitsabhängig !!!, sehr direkt im Handling, sehr weich und  natürlich  s e l b s t  r ü c k s t e l l e n d  im Stand.

Fr. Elisabeth Keller, mit ihrer DS 19 aus der Schweiz auf eigener Achse angereist, gratuliere ich noch zum 85. Geburtstag und bestärke sie in ihrer 1957 getroffenen Entscheidung, eine DS 19 zu erwerben. Der Engländer mit seiner im Operationssaal restaurierten DSuper 5 ist auch am Präsentieren, alle Türen und Hauben geöffnet und ständig am Wegwischen der Fingerabdrücke der staunenden Schar. Eine andere Gruppe von Franzosen haben ihre sichtlich schon etwas in Mitleidenschaft gezogenen DS auf die höchste Stellung aufgepumpt und versuchen scheinbar durch längere Vollgasstellungen das Drehzahlniveau des leicht nach Öl riechenden Einspritzers zu verändern. Vor der offenen Motorhaube stecken leicht mit Patina überzogene Werkzeuge im feuchten Gras. Der in Glasflaschen, mit Sternen versehen, abgestellte Durstlöscher der Hobbyschrauber hat sicherlich mehr Oktan als ein in die Jahre gekommener DS Motor zum runden Leerlauf benötigt.
Jörg, unser Präsident vom Österreichischen DS Club, ist mit Horst und Joachim per Flugzeug angereist; eine Reise von Wien aus ist aber auch elendslang und aus Zeitgründen eine Überlegung mit Flugzeug wert. Wir finden uns später im Versorgungszelt bei Entrecôte und Vin Rouge ein und besprechen das kurz zuvor Erlebte.
„Ich will doch Martina den Eiffelturm zeigen“, geht es mir durch meine rechtwinkeligen Gehirnwindungen. Wir beschließen, kurzerhand um 18h aufzubrechen um anschließend von Versailles aus mit der Metro nach Paris zu gondeln. Martin, Jürgen und Michael sind pünktlich zur Stelle. Wer ist Michael? Ein guter Bekannter von Martin, der sich auch einige Wochen vorher zur Teilnahme in Paris entscheiden hat, die letzten Wochen nachts nie geschlafen hat und rauchend mit mehreren Litern Motoröl die Reise zum DS Jubilé  doch noch geschafft hat. Schön, wie sie alle anreisen, und Paris erwartet uns mit mildem sonnigem Herbstwetter. Die Besichtigung des Eiffelturmes mit anschließendem Abendmenü runden den  gelungenen Tag ab und wir freuen uns schon auf Samstag.

Treffpunkt 10h Veranstaltungsgelände St. Quentin mit bevorstehender Fotofahrt mitten durch Paris. Michael entschließt sich, doch nicht auf eigene Faust in die Stadt zu fahren und steigt bei uns zu. Es geht über die A13 und die Péripherique zum Cité (das Technische Museum Paris) mit einer Sonderausstellung  50 ans - Citroen DS. Dass es an diesem Vormittag im Auto immer nach Fisch riecht ist eine andere Geschichte, die Martin in seinem Bericht besser erzählen wird. Die anschließende Fahrt durch enge Gassen und verstopften Marktplätzen, gefüllt mit Menschenmassen, die eher an Südafrika erinnern als an den Norden Europas ist unbeschadet genossen worden.
Und jetzt ab zum Arc de Triomphe.
Jürgen hängt sich aus dem vor uns fahrenden Begleitfahrzeug aus dem Fenster, während ich blitzschnell einige Runden um den Bogen sause, um einige gelebte Bilder für unseren Autorevuebericht zu schießen. Die Touristen asiatischer Herkunft applaudieren mit grinsender Miene.
„Martina! Du musst nur aufpassen, dass mich keiner von links rammt.“  Alles O.K..
Die anschließende Fahrt über die Avenue des Champes-Elysées ist dagegen die reinste Entspannung. Danach geht’s über den Place de la Concorde in Begleitung der späten warmen Nachmittagssonne zurück zum Treffen, wo man schon mit dem Galadîner auf uns wartet.

4.000 Leute aus aller Welt in einem riesigem Zelt pünktlich zu verköstigen, dass das nicht einfach ist wussten wir schon im vornherein. Das mehrgängige Menü lassen wir uns schmecken. Die nächtliche Abreise vom Gelände war dann eine riesige Dunst- und Klangwolke, uns jetzt wissen wir auch, wo die an den Vorabenden zu Hunderten gesehenen Kaninchen hin verschwunden sind. Wir haben sie wahrscheinlich sehr gut zubereitet zum Galadîner verspeist.

Sonntag, der Tag der Parade durch Paris
Mit Start in Gruppen zu je 50 Wagen, eskortiert von Pariser Goldwing Fahrern, bis zum geplanten Superstau auf der Avenue de la Grande Armée, 6- spurig alle in Richtung zum Arc de Triomphe, 1600 DS !!! Ganz Paris freut sich mit uns, dieses einzigartige Jubiläum zu feiern. Ich hupe und grüße während der Fahrt ins Pariser Volk und freue mich wie ein Volkschüler, der den ersten Schultag gut überstanden hat.
Ja, Reisen und Winken durch Paris macht hungrig, die stilgerechte Verpflegung besorgen wir auf einem Spezialitätenmarkt, dem wir entlang unserer Fahrt nicht widerstehen können.
Die eingelegten Oliven, frischer Ziegenkäse in Asche gereift, geschnittene Salami, Peperoni scharf in Olivenöl und das knuspriges Baguette verspeisen wir anschließend vor dem Brunnen beim Place du Trocadero mit französischer Gelassenheit, immer in direktem Blickkontakt mit unserer Göttin und im Hintergrund den in der Herbstsonne leuchtenden Eiffelturm, bis uns die Police höflichst vom abgesperrten Gelände verweist. Ja, Ordnung muß sein, auch in Paris. Die Rückfahrt zum Treffengelände nutzt Jürgen noch für einige Schnappschüsse aus unserer Göttin. Es wimmelt nur so von aus allen Richtungen kommenden DS‘en.
Am Treffen angekommen, verabschieden wir uns von Jürgen und Martin und planen kurz entschlossen die nächste gemeinsame Ausfahrt zur 14.ICCCR nach Rom. (Die nächste Chaos-Stadt !!!).
Madame DS bringt uns noch schwebend mehrere hundert Kilometer Richtung Schweiz.
Am Montag früh folgt die restliche Heimreise ins Ländle nach Vorarlberg.

Hiermit möchten wir uns bei allen im In- und Ausland mitwirkenden Fans der DS bedanken, ein wirklich sehr gutes und gelungenes Treffen in Paris veranstaltet zu haben.

 

Martina und Robert Kaltenbrunner

© Palden 2006